Infrastrukturbauten

Jahresthema Binding Preis für Biodiversität 2026

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Biodiversität und Infrastrukturbauten

Im Jahr 2026 widmete sich der Binding Preis für Biodiversität dem Thema Biodiversität und Infrastrukturbauten. Gesucht waren Projekte, die die Biodiversität vorbildlich in Infrastrukturbauten integrieren.

Die Biodiversität im Siedlungsraum gewinnt zunehmend an Bedeutung und Infrastrukturbauten spielen dabei eine zentrale Rolle. Durch die bauliche Verdichtung gemäss Raumplanungsgesetz (RPG1) gibt es immer weniger Raum für natürliche Freiflächen, wodurch der Druck auf die Naturvielfalt wächst. Begrünte Gebäude und Infrastrukturbauten bieten eine gute Chance, diesem Trend entgegenzuwirken. Bereits kleine, gezielt gestaltete Flächen, können als ökologische Trittsteine wirken, die Naturräume besser vernetzen und so den Lebensraum vieler Arten ausdehnen.

dicht bebaute Stadt, sichtbar sind auch Baukräne und eine grosse Baustelle, dazwischen einzelne Bäume. Ueberlandpark, Binding Preis für Biodiversität 2026
© Stefanie Würsch

Biodiversität entlang unserer Verkehrswege

Aus Sicht der Biodiversität sollten Strassen und Eisenbahnlinien so geplant werden, dass sie keine wertvollen Naturflächen zerstören, zerschneiden oder verkleinern. Da dies aber oft nicht berücksichtig wird, braucht es Strategien, um die negativen Folgen zu minimieren und alternative Lebensräume zu schaffen.

Selbst kleine Flächen wie Verkehrsinseln können wertvoll für die Biodiversität sein. Untersuchungen zeigen, dass an einzelnen Standorten vielleicht nur wenige Pflanzenarten vorkommen, sich diese jedoch von Fläche zu Fläche so unterscheiden, dass sich in der Summe eine erstaunliche Vielfalt ergibt. Bahndämme oder Strassenböschungen können diese Kleinstlebensräume miteinander verbinden und zur ökologischen Infrastruktur beitragen.

Der Preisträger 2026, der Ueberlandpark, zeigt auf, wie die Durchschneidung einer Siedlung Jahre später nur mit einem sehr grossen Ressourcenaufwand wieder rückgängig gemacht werden konnte.

Noch mehr Informationen liefern die folgenden Quellen:

Eine Strasse gesäumt von einem Kiesweg und grünen Bändern mit Einzelbäumen und Nisthilfen, daneben eine Baustelle. Route de GRandcour in Estavayer-le-Lac
Route de Grandcour in Estavayer-le-Lac. © Plan Biodivers

Energie und Biodiversität als sinnvolles Ganzes denken

Photovoltaik und begrünte Dächer werden oft gegeneinander ausgespielt, dabei lassen sie sich sinnvoll kombinieren. Es ist gut möglich, in einem Energiegründach die erneuerbare Energieproduktion mit ökologischen Mehrwerten zu vereinen und daraus gar Gewinn zu schöpfen. Die Pflanzen sorgen für Beschattung und Verdunstungskühlung, das wirkt gegen die Überhitzung der Solarpaneels und steigert deren Effizienz. Der Schattenwurf der Panels führt im Gegenzug zu verschiedenen Standortbedingungen auf dem Dach, was die Artenvielfalt der Pflanzen und Tiere erhöht.

Auch der Preisträger des Anerkennungspreises 2026, das Unterwerk in Bussigny zeigt auf, wie Flächen, die zur Energietransfromation genutzt werden, auch für die Natur einen Mehrwert bringen können. Derartige Flächen gibt es noch viele in der Schweiz. Restflächen, die vergessen geraten, oft versiegelt, die für die Natur einen grossen Wert darstellen könnten.

Hier finden Sie weitere Informationen:

Stromkästen und Stahl umgeben von Blüten und Ruderalfläche. Binding Anerkennungspreis für Biodiversität 2026
Das SBB Unterwerk in Bussigny bietet Lebensraum für trockenheitsliebende Arten. © Stefanie Würsch

Dach- und Fassadenbegrünungen als Lebensraum

Begrünte Dächer und Fassaden leisten einen wichtigen Beitrag zum Ausgleich schwindender Grünräume. Sie bieten Lebensraum für Flora und Fauna, reduzieren Hitzeinseln, verbessern die Lebensqualität, fördern die menschliche Gesundheit und tragen zu einem attraktiven Stadtbild bei. Dafür braucht es ein integrales Denken: Gebäude und Grünflächen entfalten ihr Potenzial am besten, wenn sie zusammen geplant, umgesetzt und gepflegt werden.

Gleichzeitig gibt es viele kritische Stimmen gegenüber Fassadenbegrünungen, insbesondere in Bezug auf den Brandschutz und die Zunahme von störenden Insekten. Ausserdem fehlt in der Schweiz ein flächendeckender Standard oder eine gesetzliche Verankerung für die Begrünung von Gebäuden, was die integrale Planung erschwert. Dennoch zeigen Erfahrungen und wissenschaftliche Studien, dass gut konzipierte und gepflegte Begrünungen zahlreiche Vorteile bieten.

Dach- und Fassadenbegrünungen erbringen viele Leistungen für die Ökologie und das Mikroklima:

  • Speicherung von Regen und somit Entlastung der Kanalisation
  • Zusätzliche Dämmung des Gebäudes
  • Reduktion des städtischen Hitzeinseleffekts
  • Steigerung des ökologischen Werts im Siedlungsraum
  • Schutz von Dach und Fassade vor Witterungseinflüssen
  • Verbesserung der Luftqualität dank Schadstoffbindung, Luftbefeuchtung und Sauerstoffproduktion
  • Schaffen von Lebensräumen für verschiedene Tierarten

All dies hilft der nachhaltigen Entwicklung unserer Siedlungsräume.

Wand der Autobahneinhausung des Ueberlandparks wurde mit bodengebundener Fassadenbegrünung ausgestattet. Binding Preis für Biodiversität 2026
Die Wände der Autobahneinhausung in Schwamendingen wurden mit einer Fassadenbegrünung ausgestattet, die je nach Exposition andere Pflanzenarten enthält. © Stefanie Würsch

Weitere Infrastrukturen mit Potenzial

Auch weitere Infrastrukturen wie für den Wasserbau die Logistik oder unseren Kehricht bieten Potenzial zur Förderung der Biodiversität. Grossflächige Versiegelungen, Fassaden oder Dächer können begrünt werden, um Lebensraum für Pflanzen und Tiere zu schaffen. Natürlich gestaltete Wasserläufe für Amphibien und andere Wasserlebewesen oder einheimische Hecken statt Metallzäune sind gute Alternativen. Viele kleine, optimalerweise aufeinander abgestimmte Massnahmen können in der Summe Grosses bewirken und zeigen, dass Infrastrukturbauten multifunktional gestaltet werden können.

Ein artenreich begrüntes Tramgleis der BLT.
Ein artenreich begrüntes Tramgleisbett der Baselland Transport AG. © Plan Biodivers